In unserer Rubrik „Im Fokus“ stellen wir Spieler und Akteure der HSG Isar-Loisach vor. Heute: Herren-Spieler Marco Reimann. Der Isar-Loisachbote betitelte ihn liebevoll als „Gartenzwerg, der über außen kommt“.

Der Aufsteiger kämpft gegen das Abstiegsgespenst, das rettende Ufer haben die Bezirksliga-Handballer der HSG Isar-Loisach noch nicht erreicht. Viele Hoffnungen ruhen auf dem Küken im Team: Marco Reimann, einer der Top-Torschützen in der Liga. Allerdings spiegelt die aktuelle Statistik nicht die volle Wahrheit wieder. In der Saison 2017/18 traf Adrian Ioan Marcu (TV Bad Tölz) bislang 107 Mal – und rangiert somit auf Platz eins des Rankings. Ihm gelangen 7,17 Treffer pro Partie. Aber: Die Handballer aus der Kurstadt trugen bereits 15 Partien aus – die HSG Isar-Loisach stand erst 14 Mal auf dem Parkett. Ergo hat der Wolfratshauser Marco Reimann gute Chancen, sich doch noch die Torschützenkanone zu sichern. Der junge Bursche netzte bei zwölf Einsätzen 89 Mal ein, pro Partie musste der Gästekeeper rechnerisch 7,42 von Reimann geworfene Bälle passieren lassen. Eine Spitzenquote.

1,69 Zentimeter, keine 60 Kilo – aber verdammt torgefährlich

Der seit wenigen Tagen 18-jährige Rechtsaußen trägt das HSG-Trikot seit seinem siebten Lebensjahr. Wie kam er zum Handballsport? „In der zweiten Klasse habe ich einen Spezl gefragt, ob wir am Freitag nach der Schule etwas zusammen unternehmen wollen – und der hat mich mit zum Handballtraining genommen.“ Der Linkshänder liebt das schnelle, torreiche Spiel, „bei dem man immer voll konzentriert sein muss“. Drei Urkunden als Landesmeister (1 x D-Jugend, 2 x C-Jugend) hängen in seinem Zimmer, darüber hinaus zählt er zu der A-Jugend-Generation der HSG, die bayernweit für Schlagzeilen sorgte: Dank eiserner Disziplin, weit überdurchschnittlichem Trainingsfleiß und unaufhörlicher Motivation durch das Trainergespann Ulli Newel/Reinhard Seiwerth qualifizierte sich die A-Jugend 2016 für die Bayernliga – einer der größten Erfolge in der HSG-Historie.

Nachdem die HSG wegen Spielermangels für die aktuelle Saison keine A-Jugend melden konnte, erreichte Reimann der Ruf von Herren-Trainer Markus Goblirsch. „Die Erste Mannschaft hat mich super integriert“, berichtet der 18-Jährige. Er zahlte es dem Team bereits im ersten Pflichtspiel zurück: Zehn Treffer markierte der Youngster in der Pokal-Begegnung gegen den SC Weßling. „Ich werde sehr häufig unterschätzt“, sagt Reimann und grinst. 1,69 Zentimeter groß, keine 60 Kilogramm schwer: Für einen Handballer eigentlich suboptimale körperliche Voraussetzungen. „Ich bin der Gartenzwerg der Liga“, spöttelt der Wolfratshauser über sich selbst. Doch wehe, wenn er losgelassen: Reimann sprintet die 100 Meter in 12,7 Sekunden und taucht am gegnerischen Kreis auf, noch bevor die Konkurrenten nach einem Angriff ihre Abwehrreihen geordnet haben. Und schon klingelt’s.

Viel zu verdanken habe ich Ulli Newel

„Ja“, räumt der Flügelflitzer mit den flinken Beinen ein, „vor zwei, drei Jahren hatte ich kein Auge für den besser positionierten Mitspieler.“ Häufig nahm sich Reimann den Wurf, verfehlte das Gehäuse – und der Trainer auf der Bank schäumte vor Wut. Mittlerweile ist der 18-Jährige ein Teamplayer mit Torriecher und variablem Wurfbild, Coach Goblirsch sieht’s mit Freude.

„Viel zu verdanken habe ich Ulli Newel“, stellt Reimann fest. In der B-Jugend hatte er die Nase voll vom Handballsport, Trainerin Newel lud ihn auf zwei Kugeln Schoko-Eis ein. „Sie hat lange mit mir geredet und bei mir die Lust am Handball wieder neu entfacht.“ „Ich hätte auch 100 Kugeln bezahlt“, betont Newel rückblickend und schmunzelt, „aber Marco war bescheiden und wollte nur zwei.“ Sie attestiert ihrem Ex-Schützling: „Er verfügt über eine fantastische Athletik, die einerseits genetisch, andererseits seinem Spaß an der Bewegung geschuldet ist. Marco ist ein Siegertyp, er braucht den Erfolg.“

Vor einigen Wochen bat Drittligist TV Großwallstadt den Wolfratshauser zu einem Probetraining. Das anschließende Angebot, sich der Jugend des Handball-Dinos anzuschließen, der auf dem besten Weg in die Zweite Bundesliga ist, schlug Reimann nach reiflicher Überlegung aus. Zum einen, weil er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in Schäftlarn absolviert – und weil sein Sportlerherz an der HSG Isar-Loisach hängt. Das heißt nicht, dass er sich keine hohen Ziele verordnet. Zunächst gibt er alles für den Klassenerhalt, „doch in der nächsten oder übernächsten Saison sollten wir noch mal einen Aufstieg anpeilen“.

Wenn er die Wahl hätte: Die Trophäe als bester Torschütze in der Bezirksliga – oder der Verbleib der Herrenmannschaft in der Liga? Reimann muss nicht lange überlegen: „Am Ende der Saison feiert die HSG den Klassenerhalt und ich Platz eins in der Torschützenliste.“

Erschienen im Isar-Loisachboten