Die Luft in der Halle ist warm, die Übungen haben es in sich. Korbinian Holzer (30) ist der letzte der Sportler, der an diesem Abend in der Wolfratshauser Halle kurz in die Knie geht und durchpustet. Macht dem Eishockey-Nationalspieler das Handball-Training der HSG Isar-Loisach wirklich zu schaffen? „Ich habe heute Morgen schon drei Stunden trainiert“, sagt Holzer und lacht. Der Profi aus der amerikanischen Spitzenliga NHL verbringt seine Sommerpause in der Heimat. Die nutzte er für eine Einheit bei der HSG  – im Interview (unten) spricht der Geltinger darüber.

Den Kontakt hat HSG-Kapitän Florian Bauer hergestellt, der ihn schon lange kennt. Unter anderem haben sie bei der DJK Waldram zusammen Fußball gespielt. „Er war eine Pferdelunge, hat auf dem Flügel gespielt“, sagt Bauer und lacht: „Gegen den hast du nicht spielen wollen.“ Besonders schätze er an Holzer dessen Bodenständigkeit. „Er war immer der Korbi und sagt heute noch: Hier bin ich daheim.“

 

Holzer ist in Gelting aufgwachsen, über die Eishockey-Abteilung der TuS Geretsried fand er den Weg zum EC Bad Tölz in die Deutsche Nachwuchsliga. Nach einem Jahr zweite Liga bei den Eisbären Regensburg kam er 2007 in der deutschen Eliteklasse bei den DEG Metro Stars an. Drei Jahre später gelang ihm der Sprung in die beste Liga der Welt: die NHL. Dort lief der deutsche Nationalspieler schon für die Toronto Marlies und die Anaheim Ducks auf.

 

Im Interview spricht der NHL-Profi darüber, wie er die Einheit bei der HSG Isar-Loisach erlebt hat, was ihm beim Handball Respekt einflößt und warum er ein großer Verfechter des Mannschaftssports ist.

 

Dein erstes Handballtraining – wie war es?

Holzer: „Es hat Spaß gemacht und mir auch geholfen, es war eine gute Einheit. Wir haben Übungen gemacht, die auch für mich gut waren – im Schnelligkeitstraining hätte ich ganz ähnliche gemacht. Wir haben beim Eishockey ja auch kurze Belastungen, da brauchen wir Antrittsschnelligkeit. Auch das Eins-gegen-Eins, das wir gemacht haben, ist für das Eishockey genau das Richtige.“

 

Gibt es was, das dir beim Handball Respekt abnötigt?

Holzer: „Ich schaue es gerne im Fernsehen an, wenn ich Zeit habe – vor allem die Nationalmannschaft. Ich habe noch nie ein Spiel live in der Halle gesehen, bei dem man dann mal sieht, was am Kreis so abgeht. Aber im Fernsehen sieht man schon, was das für Ochsen sind. Als Kreisläufer wird um jeden Zentimeter gekämpft – das ist schon beeindruckend. Wie die eine abbekommen und dennoch zum Abschluss kommen, ist gut anzuschauen. Ohne Ausrüstung ist das nochmal eine Nummer heftiger als bei uns.“

 

Du hast früher in Waldram Fußball gespielt – verfolgst du die Entwicklung deiner alten Spezln?

Holzer: „Ich kenne noch einige Spieler von der DJK und habe es in den letzten Jahren verfolgt mit den Aufstiegsspielen. Wenn ich da bin, würde ich schon mal gerne wieder bei einem Spiel vorbeischauen. Aber es ist immer schwierig – wenn meine Saison vorbei ist, ist eine Woche später hier die Fußballsaison vorbei. Aber ich verfolge es über die Zeitung, das Internet und soziale Medien.“

 

Du hast die Stimmung in der Handballkabine der HSG erlebt, du kennst sie noch von der DJK. Sieht es da im Profisport in der Kabine anders aus?

Holzer: „Je höher du kommst, desto mehr Ernst ist mit drin. In den höchsten Ligen geht es um viel Geld, da brauchst du eine gewisse Ernsthaftigkeit. Aber im Großen und Ganzen reden wir uns in der Kabine in der NHL mindestens genauso blöd an wie hier auch. Es ist Mannschaftssport, wie eine große Familie. Als wir früher zwei-, dreimal in der Woche Fußballtraining hatten, hat man sich da drauf gefreut. Die Kameradschaft und die Lockerheit in der Kabine machen den Mannschaftssport aus. Ich kenne viele, die nach ihrer Eishockey-Karriere gesagt haben: Der Sport fehlt mir eigentlich nicht so, aber die Leute. Jeden Tag in die Kabine kommen und mit den Leuten Späße machen, auch die Auswärtsfahrten – sowas fehlt ihnen.“

 

Was macht den Mannschaftssport für dich aus?

Holzer: „Es ist ein Auffangbecken vom Alltag. Du kommst hin und kannst dich auspowern. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen gibt es fast nichts Besseres, als bei einem Mannschaftssport dabei zu sein. Man lernt Kameradschaft, Zusammenhalt – jeder kämpft für jeden. Es gibt nichts Schöneres, als wenn du mit der Mannschaft gewinnst oder aufsteigst. Das sind Momente, die prägen einen für immer. Auch wenn du dich dann 20 Jahre nicht siehst, hast du eine Verbindung.“

 

Andere Sportler wollen lieber alleine Leistung zeigen.

Holzer: „Einzelsportler sind anders. Ich schaue sehr gerne Tennis. Federer und Nadal sind lockere Typen. Aber viele Einzelsportler sind verbissen, ihnen fehlt die Lockerheit der Mannschaft. Wenn in der Mannschaft einer einen Fehler macht, ist keiner sauer auf ihn. Dann kämpft man doppelt so hart, um den Fehler wettzumachen. Das steht man zusammen durch, das macht es aus. Als Einzelsportler kämpfst du nur für dich. Wenn du einen Fehler machst, hast du niemanden, der dich auffängt. Du hast deinen Trainer und deine Betreuer, aber es ist nicht das Gleiche – sie stehen nicht mit dir auf dem Platz.“

 

Du bist mit vollem Herzen Teamsportler.

Holzer: „Jeder soll es so machen, wie es ihm gefällt. Es gibt Menschen, die sind von Haus aus Einzelkämpfer, die leben dadurch. Die wären in einer Mannschaft stinksauer, wenn einer einen Fehler macht und sie das Spiel dadurch verlieren. Jeder ist anders. Ich bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen, da musste ich mich auch jeden Tag durchkämpfen früher – und jetzt auch noch (lacht).“

 

Wir danken dir für die gemeinsame Einheit, Korbi, und wünschen Dir für die anstehende Saison Alles Gute!